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WIE KALKULIERE ICH PREISE RICHTIG?

F. Noir

Die meisten Friseur*innen und Kosmetiker*innen brennen für Ihre Arbeit und genießen vor allem das Gefühl, einen Kunden oder eine Kundin glücklich gemacht zu haben. Buchhaltung und Preiskalkulationen gehören seltener zu dem Lieblingsbeschäftigungen – doch wer einen eigenen Laden führt, darf auch betriebswirtschaftliche Aspekte nicht aus den Augen lassen. Es mag etwas trocken klingen, aber am Ende des Tages sollten Sie wissen, was Sie verdienen.

Investieren Sie deshalb lieber ein wenig Zeit in die Kalkulation Ihrer Preisliste, als dann am Ende des Jahres von schlechten Umsatzzahlen überrascht zu werden. Wir wissen, dass dies ein schwieriger Prozess sein kann. Gehen Sie aber einfach Schritt für Schritt unsere Anleitung durch.

Kalkulieren statt Abschreiben

Aber ist es nicht einfacher und schneller, die Preise der Konkurrenz zu übernehmen? Oder vielleicht sogar zu unterbieten? Schneller ist dieser Weg sicherlich, doch auf Dauer wird er sich nicht bezahlt machen. Machen Sie am Ende des Tages vielleicht sogar ein Minus mit Ihren Preisen und können Ihre Kosten nicht mehr decken?

In vier Schritten zur gut berechneten Preisliste

Um zu wissen, wie ein fairer Preis aussehen könnte, sollten Sie zunächst herausfinden, wie viel Umsatz Sie in einem Jahr erwirtschaften müssen und was eine Minute Arbeit in Ihrem Salon kostet. Auf dieser Basis können Sie dann die Mindestpreise für jede Behandlung bestimmen. Die gesamte Berechnung teilt sich auf vier Schritte auf:

  • Jahres-Soll-Umsatz bestimmen
  • Zeitliche Faktoren identifizieren
  • Preis pro Minute berechnen
  • Preis pro Behandlung errechnen

Schritt 1: Jahres-Soll-Umsatz

Im ersten Schritt der Preiskalkulation errechnen Sie den Jahres-Soll-Umsatz Ihres Salons. Hierfür addieren Sie alle Materialkosten, Personalkosten, Gemeinkosten und schließlich auch die Privatentnahmen, die Sie benötigen, um gut von Ihrem Salon leben zu können.

Die Materialkosten umfassen alle Kosten der Waren, die für die Erbringung Ihrer Dienstleistungen notwendig sind.

Die Personalkosten beinhalten sowohl Löhne als auch Versicherungsabgaben und eventuelle lohnsteuerfreie Geschenke.

Alle weiteren Kosten, die in Ihrem Salon anfallen, gehören zu den sogenannten Gemeinkosten: Miete, Werbung, Versicherung, und so weiter.

Schritt 2: Zeitliche Faktoren

In vielen Dienstleistungsbranchen – so auch im Beauty-Handwerk – spielt das Verhältnis von Arbeitszeit und Vergütung eine zentrale Rolle. Deshalb sollten Sie als nächstes die zentralen Zeitfaktoren ermitteln: Dazu gehören der Auslastungsfaktor, Personalfaktor und die Behandlungszeiten. Die Auslastung ihres Salons können Sie grob schätzen. Im Schnitt liegt sie bei 65 Prozent, in einem sehr gut besuchten Salon eher bei 75 Prozent.

Der Personalfaktor beschreibt die Arbeitszeit aller Ihrer Mitarbeitenden im Verhältnis zur tariflichen Vollzeit und lässt sich einfach berechnen. Dazu teilen Sie die Anwesenheitszeit Ihrer Mitarbeitenden jeweils durch die tarifliche Vollzeit – bei einer Vollzeitkraft sieht die Rechnung so aus:

  • Anwesenheitszeit 40 Stunden ÷ tarifliche Arbeitszeit 40 Stunden = Personalfaktor 1

Bei einer Teilzeitkraft könnte die Rechnung so aussehen:

  • Anwesenheitszeit 20 Stunden ÷ tarifliche Arbeitszeit 40 Stunden = Personalfaktor 0,5

Die individuellen Werte addieren Sie dann auf, um den Personalfaktor Ihres gesamten Teams (PSF Team) zu erhalten.

Schritt 3: Preis pro Arbeitsminute
Im dritten von vier Schritten können Sie nun den Preis pro Arbeitsminute berechnen. Dazu sind mehrere Rechenschritte notwendig, denn der Preis pro Minute setzt sich aus Personalkosten, Gemeinkosten, Materialkosten und dem Gewinnaufschlag zusammen. Die Personalkosten pro Minuten errechnen Sie auf folgenden Weg:

  • Personalkosten ÷ Arbeitstage pro Jahr = Personalkosten pro Tag
  • Personalkosten pro Tag ÷ PSF Team = Personalkosten pro Tag pro PSF
  • Personalkosten pro Tag pro PSF ÷ durchschnittliche Arbeitszeit (Vollzeit) pro Tag = Personalkosten pro PSF pro Stunde
  • Personalkosten pro PSF pro Stunde ÷ 60 = Personalkosten pro Arbeitsminute
  • Personalkosten pro Arbeitsminute ÷ Auslastungsfaktor in Prozent x 100 = Personalkosten pro Arbeitsminute bei entsprechender Auslastung

Die Gemeinkosten pro Minute errechnen Sie auf identischem Weg, ersetzen in der Rechnung lediglich den Wert „Personalkosten“ durch Ihre jährlichen Gemeinkosten. Die Materialkosten bestimmen Sie als absolute Euro-Werte für jede einzelne Behandlung. Zuletzt widmen Sie sich nun dem Gewinnaufschlag, der sich aus den geplanten Privatentnahmen und dem geplanten Umsatz ergibt:

  • Privatentnahmen ÷ Gesamtumsatz x 100 = Gewinnaufschlag in Prozent

Aus den in diesem Schritt berechneten Werten lassen sich im vierten und letzten Schritt die Behandlungskosten für Ihre Preisliste bestimmen.

Schritt 4: Preis pro Behandlung

Der Preis pro Behandlung setzt sich aus den Personalkosten und den Gemeinkosten pro Minute sowie den Materialkosten und schließlich dem Gewinnaufschlag und der Mehrwertsteuer zusammen. Im ersten Schritt nehmen Sie folgende Rechnung vor:

  • Materialeinsatz in Euro + (benötigte Zeit x Personalkosten pro Minute) + (benötigte Zeit x Gemeinkosten pro Minute) = Ergebnis vor Gewinnaufschlag

Der Gewinnaufschlag lässt sich dagegen nicht einfach aufaddieren, sondern wird etwas komplizierter berechnet:

  • 100 % – Gewinnaufschlag in Prozent = Prozentsatz des Ergebnisses vor Gewinnaufschlag
  • Ergebnis vor Gewinnaufschlag ÷ Prozentsatz des Ergebnisses vor Gewinnaufschlag x Gewinnaufschlag in Prozent = Gewinnaufschlag in Euro
  • Ergebnis vor Gewinnaufschlag + Gewinnaufschlag in Euro = Netto-Preis für diese Dienstleistung

Zuletzt schlagen Sie nun die Mehrwertsteuer auf:

  • Netto-Preis für diese Dienstleistung x 1,19 = Mindestpreis für diese Dienstleistung

Spielraum nach oben

Das so erhaltene Ergebnis beschreibt den Preis, den Sie mindestens für eine bestimmte Behandlung veranschlagen müssen, um den im ersten Schritt berechneten Jahres-Soll-Umsatz zu erreichen. Sobald Sie Ihre Preise niedriger veranschlagen, vermindert das vor allem den Betrag Ihrer Privatentnahme. Nach oben hin besteht dagegen bei der Preisgestaltung ein größerer Spielraum: Je nach Konzept und Standort Ihres Salons oder Studios können Sie Ihre Behandlungspreise auch höher ansetzen. Service und Ambiente sollten in diesem Fall aber auf das Preissegment angepasst werden.

Sie haben Fragen zu unseren Produkten, Preisen o.ä. Nutzen Sie einfach das Kontaktformular und ein Mitarbeiter wird sich schnellstmöglich bei Ihnen melden!

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